Tauchzeichen mit der Lampe: so verständigst du dich im trüben Wasser

Im klaren Wasser zeigst du deinem Partner ein Handzeichen und er sieht es. Im Baggersee bei drei Metern Sicht funktioniert das nicht mehr. Du siehst deinen Partner oft gar nicht – du siehst seinen Lichtkegel. Damit wird die Lampe vom Beleuchtungsgerät zum Verständigungsmittel, und wer das nicht geübt hat, taucht neben jemandem her, mit dem er nicht reden kann.

Kurz gesagt
Drei Zeichen reichen für den Anfang: langsamer Kreis heißt „alles in Ordnung“, schnelles Wedeln zur Seite heißt „Achtung, sieh her“, hektisches Auf und Ab heißt „Problem“. Nie ins Gesicht leuchten. Und: Die Belegung ist nicht weltweit gleich – sie wird vor dem Tauchgang abgesprochen, nicht unter Wasser entdeckt.

Warum im trüben Wasser das Licht spricht und nicht die Hand

Zwei Dinge ändern sich, sobald die Sicht unter etwa fünf Meter fällt.

Erstens siehst du den Partner nicht mehr als Person, sondern als hellen Fleck im Wasser. Sein Lichtkegel ist über eine deutlich größere Entfernung sichtbar als er selbst. Wenn du im See jemanden suchst, suchst du nicht nach einem Taucher – du suchst nach einer Aufhellung.

Zweitens verschwinden Handzeichen im Dunkeln. Ein Handzeichen, das nicht angeleuchtet wird, existiert unter Wasser nicht. Das ist der Punkt, an dem viele Taucher zum ersten Mal merken, dass sie ihre Lampe falsch tragen: Wer sie am Handgelenk baumeln lässt, kann keine Zeichen geben, weil die Hand, die das Zeichen macht, nicht die Hand ist, die leuchtet. Wie die Lampe sitzen sollte, steht in Goodman-Handle, Boltsnap und Schlaufe.

Die drei Lichtzeichen, die du sicher können musst

Die drei Lichtzeichen beim TauchenSkizze: Ein ruhiger Kreis des Lichtkegels bedeutet „alles in Ordnung“, zügiges waagerechtes Wedeln bedeutet „Achtung, sieh her“, schnelles senkrechtes Auf und Ab bedeutet „Problem, komm sofort“.Die drei LichtzeichenBewegung des Lichtkegels auf dem Grund oder an einer Wand – nie ins Gesicht des PartnersKreisruhig, etwa eine Umdrehung je Sekunde„Alles in Ordnung?“Frage und Antwort zugleichWedelnzügig waagerecht hin und her„Achtung, sieh her“Aufmerksamkeit holen, herkommenAuf und Abschnell und hektisch, senkrecht„Problem – komm sofort“NotfallzeichenDie Belegung ist nicht weltweit einheitlich – vor jedem Tauchgang mit dem Partner absprechen.tauchlampe.xyz
Die drei Zeichen unterscheiden sich in Richtung und Tempo, nicht in der Größe – deshalb bleiben sie auch dann lesbar, wenn vom Kegel nur ein diffuser Fleck ankommt.

So werden sie üblicherweise unterrichtet – die Bewegung findet mit dem Kegel auf dem Grund, an einer Wand oder im freien Wasser statt, dort, wo dein Partner ohnehin hinsieht:

Zeichen Bewegung Bedeutung
Kreis ruhig und gleichmäßig kreisen, etwa eine Umdrehung pro Sekunde alles in Ordnung – und als Frage: „alles in Ordnung?“
Wedeln zügig waagerecht hin und her Achtung, sieh her, komm her
Auf und Ab schnell und hektisch senkrecht Problem, ich brauche dich sofort

Der Unterschied zwischen den letzten beiden liegt in der Richtung und im Tempo, nicht in der Größe. Deshalb funktioniert das auch dann noch, wenn vom Kegel nur ein diffuser Fleck ankommt.

Und die wichtigste Einschränkung gleich dazu: Diese Belegung ist verbreitet, aber nicht weltweit einheitlich. Verschiedene Verbände und Tauchschulen unterrichten Abweichungen, vor allem beim Notfallzeichen. Das ist kein Grund zur Verunsicherung, sondern der Grund für die eine Regel, die immer gilt: Lichtzeichen werden im Briefing abgesprochen. Zwei Minuten an der Oberfläche, bevor jemand ins Wasser geht – nicht später.

Die Regel, gegen die am häufigsten verstoßen wird

Nicht ins Gesicht leuchten. Nicht in die Maske, nicht von unten, nicht „nur kurz“. Wer geblendet wird, sieht für die nächste halbe Minute nichts, und im Trübwasser bedeutet das, dass er dich nicht findet. Bei einem Nachttauchgang ist der Effekt noch stärker, weil das Auge dunkeladaptiert ist.

Willst du dem Partner ein Handzeichen zeigen, machst du es anders herum: Du leuchtest deine eigene Hand an und hältst sie so, dass er beides sieht – Licht und Zeichen. Das ist der Grund, warum ein Goodman-Handle im Trübwasser so viel wert ist: Die Lampe sitzt auf dem Handrücken und leuchtet automatisch dorthin, wo die Hand hinzeigt.

Der Kegel als Zeigefinger

Das am häufigsten benutzte Lichtzeichen ist gar keins im engeren Sinn: Du zeigst mit dem Kegel auf etwas. Auf den Fisch, auf die Leine, auf den Ausstieg, auf deinen Finimeter. Damit das ankommt, gehört der Kegel an den Rand des Sichtfelds deines Partners, nicht in seine Blickachse und nicht auf seinen Körper.

Zwei Feinheiten aus der Praxis:

  • Erst antippen, dann zeigen. Wenn der Partner gerade woanders hinsieht, zuerst mit dem Wedelzeichen Aufmerksamkeit holen, dann zeigen. Sonst leuchtest du auf etwas, das niemand ansieht.
  • Beim Zeigen stehen bleiben. Ein Kegel, der weiterwandert, während der Partner noch sucht, führt ins Leere. Zwei, drei Sekunden auf dem Ziel halten.

Wenn der Partner nicht antwortet

Ein Kreis, auf den nichts zurückkommt, ist eine Information und kein Zufall. Übliche Reihenfolge, bevor daraus ein Suchvorgang wird:

  1. Wiederholen, deutlicher und im Sichtfeld des Partners.
  2. Näher heran – im Trübwasser sind zwei Meter mehr Abstand der Unterschied zwischen lesbar und unsichtbar.
  3. Position halten und leuchten, wenn du ihn verloren hast, statt hinterherzuschwimmen. Ein stehender Kegel ist auffindbar, ein wandernder nicht.
  4. Nach der abgesprochenen Zeit auftauchen. Das ist der Punkt, den man im Briefing festlegt und nicht unter Wasser aushandelt.

Zwei Lampen, zwei Aufgaben

Wer mit Haupt- und Backuplampe unterwegs ist, gibt Zeichen mit der Hauptlampe. Die Backuplampe bleibt aus – zwei leuchtende Kegel an einem Taucher sind für den Partner nicht mehr eindeutig zuzuordnen, und genau die Eindeutigkeit ist der ganze Sinn der Sache.

Ausnahme ist der Ausfall: Wenn die Hauptlampe stirbt und du auf die Backuplampe wechselst, ändert sich das Erscheinungsbild deines Kegels merklich – kleiner, oft anders in der Farbe. Es hilft, das im Briefing erwähnt zu haben, damit der Partner nicht rätselt, wer da plötzlich neben ihm auftaucht.

Üben, wo es nichts kostet

Lichtzeichen lernt man nicht im trüben See bei zwölf Metern, sondern im Flachen. Ein Abendtauchgang am Einstieg, drei Meter Tiefe, beide Lampen an, und die drei Zeichen zwanzigmal hin und her. Danach sitzt es. Wer es nie geübt hat, produziert unter Belastung genau das, was niemand gebrauchen kann: hektisches Gefuchtel, das entweder als Notfall gelesen wird oder als gar nichts.

Worauf es bei der Lampe im heimischen Gewässer sonst ankommt – Abstrahlwinkel, Akku bei vier Grad, Bedienung mit dicken Handschuhen –, steht in Tauchlampe für Baggersee und Kaltwasser.

Häufige Fragen

Welche Lichtzeichen gibt es beim Tauchen?

Im Kern drei: ein ruhiger Kreis für „alles in Ordnung“, waagerechtes Wedeln für „Achtung, sieh her“ und schnelles senkrechtes Auf und Ab für „Problem“. Alles Weitere ist Absprache zwischen den Tauchpartnern.

Ersetzen Lichtzeichen die Handzeichen?

Nein, sie ergänzen sie. Lichtzeichen holen Aufmerksamkeit und übermitteln den Status über Entfernung. Für alles Genauere – Tiefe, Druck, Umkehrpunkt – bleiben es Handzeichen, nur eben angeleuchtete.

Darf ich meinen Tauchpartner anleuchten?

Den Körper ja, das Gesicht nicht. Wer geblendet wird, ist für eine halbe Minute blind, und das ist im Trübwasser die längste halbe Minute des Tauchgangs.

Wie signalisiere ich einen Notfall mit der Lampe?

Schnelles, hektisches Auf und Ab im Sichtfeld des Partners. Weil die Belegung nicht überall gleich ist, gehört dieses Zeichen ins Briefing – bei jedem Tauchgang mit einem neuen Partner.

Brauche ich zum Zeichengeben eine besonders helle Lampe?

Nein. Für Lichtzeichen zählt ein klar begrenzter Kegel, nicht die Lumenzahl. Ein enger Spot ist sogar leichter zu lesen als ein breiter Flutlichtkegel, dessen Bewegung im Trüben verschwimmt.

Funktionieren Lichtzeichen auch am Tag?

Im Binnengewässer ja, sobald es unter der Sprungschicht dunkel genug wird – dort ist es auch mittags dämmrig. Im flachen, sonnigen Wasser sind sie wirkungslos; dort sieht man den Partner ohnehin.

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