Tauchlampen gehen selten kaputt. Sie ersaufen. Und wenn eine Lampe geflutet aus dem Wasser kommt, liegt das fast nie an der Elektronik und fast immer an der Dichtung – genauer gesagt an dem, was zwischen Dichtung und Dichtsitz geraten ist. Ein Sandkorn, ein Haar, eine Neoprenfussel. Nichts davon ist ein Materialfehler, alles davon ist vermeidbar.
Nach jedem Tauchgang: fünf Minuten, die alles entscheiden
Spülen, solange sie noch nass ist. Die Lampe kommt ins Süßwasser, nicht unter den Wasserhahn. Zehn Minuten in der Wanne reichen. Wichtig ist, dabei den Schalter mehrfach zu betätigen und einen Drehring ein paar Mal durchzudrehen – die Salz- und Sedimentreste sitzen genau dort, wo sich etwas bewegt.
Kein heißes Wasser. Dichtungen und Kunststoffe altern durch Wärme schneller, und ein Temperatursprung zieht im ungünstigen Fall Wasser durch eine ohnehin schwächelnde Dichtung. Handwarm reicht.
Nicht in die gemeinsame Spülwanne mit dem Rest der Ausrüstung. In der Wanne, in der Flossen, Bleigurt und Anzug landen, schwimmt am Ende des Tages Sand. Genau der Sand, der später im Dichtsitz liegt.
Erst trocknen, dann öffnen. Das ist der Schritt, den die meisten überspringen. Wer eine nasse Lampe aufdreht, schüttet den Tropfen, der im Gewinde steht, direkt ins Gehäuse. Abtrocknen, kurz stehen lassen, dann öffnen – und beim Öffnen die Öffnung nach unten halten.
Der O-Ring: wenig Fett, viel Sauberkeit
Die verbreitetste Fehlvorstellung ist, dass Fett abdichtet. Tut es nicht. Abgedichtet wird durch den Anpressdruck des O-Rings, das Fett hält ihn nur geschmeidig und lässt ihn beim Zusammenschrauben in die richtige Lage gleiten. Zu viel Fett ist sogar schädlich: Es klebt Sand und Fusseln fest, statt sie abzuweisen.
So geht es
- O-Ring herausnehmen – mit den Fingern oder einem Kunststoffhilfsmittel. Nie mit Schraubendreher oder Messer: Ein Kratzer in der Nut ist ein dauerhafter Leckweg, und den sieht man nicht.
- Nut und Dichtsitz reinigen, mit einem weichen, fusselfreien Tuch. Wattestäbchen sind beliebt und ungeeignet – sie hinterlassen genau die Fasern, die man loswerden will.
- O-Ring abstreifen, zwischen zwei Fingern durchziehen und dabei ansehen und fühlen: Risse, flache Stellen, Verformungen, kleine Kerben.
- Hauchdünn fetten. Ein Tropfen Silikonfett auf den Fingern verteilen, den Ring durchziehen. Er soll glänzen, nicht tropfen. Wer Fett in der Nut stehen sieht, hat zu viel genommen.
- Einlegen und Sitz prüfen – der Ring muss überall gleichmäßig in der Nut liegen, nirgends verdreht.
Welches Fett
Silikonfett für Tauchausrüstung, und im Zweifel das, was der Hersteller in der Anleitung nennt. Vaseline und mineralölhaltige Fette gehören nicht an Tauchdichtungen – je nach Dichtungswerkstoff quellen die Ringe auf und verlieren ihre Form. Ein Ring, der nach dem Winter plötzlich zu groß wirkt, hat meist genau das hinter sich.
Wie oft
Bei regelmäßigem Einsatz reicht es, den Ring bei jedem Akkuwechsel anzusehen und ihn zu fetten, wenn er stumpf aussieht. Nach Salzwassereinsätzen häufiger. Gewechselt wird er, sobald er Risse, flache Stellen oder Kerben zeigt – und routinemäßig einmal pro Saison. O-Ringe kosten Cent-Beträge, eine geflutete Lampe kostet dreistellig.
Der Akku: das zweite Verschleißteil
Lithium-Ionen-Zellen altern nicht durch Benutzung, sondern durch Zeit, Temperatur und Ladezustand. Für die Lampe im Schrank heißt das:
- Nicht voll geladen lagern. Etwa halbvoll ist der schonendste Zustand. Eine Lampe, die den Winter über bei hundert Prozent im Keller steht, verliert dauerhaft Kapazität.
- Nicht bei Frost lagern und – wichtiger – nicht kalt laden. Eine Zelle, die gerade aus vier Grad kaltem Wasser kommt, gehört nicht ans Ladegerät. Erst auf Raumtemperatur kommen lassen, ab etwa plus zehn Grad laden. Warum das im Kaltwasser der Normalfall und nicht die Ausnahme ist, steht in Tauchlampe für Baggersee und Kaltwasser.
- Akku raus bei längerer Pause. Das entlastet die Elektronik und verhindert, dass die Lampe im Schrank durch einen unbeabsichtigten Kontakt anläuft.
Über den Winter
Vier Handgriffe, dann übersteht die Lampe die Pause ohne Schaden:
- Gründlich spülen und vollständig trocknen lassen.
- Akku heraus, halb geladen, kühl und trocken lagern.
- O-Ring herausnehmen, reinigen, leicht gefettet separat aufbewahren – ein dauerhaft zusammengepresster Ring nimmt die Verformung an.
- Lampenkopf nur lose aufsetzen, nicht festziehen.
Vor dem ersten Tauchgang im Frühjahr wird das Ganze rückwärts gemacht – und die Lampe vorher zu Hause im Waschbecken auf Dichtigkeit geprüft, nicht am Einstieg.
Der Zwei-Minuten-Check vor dem Tauchgang
- Schaltet sie ein und wieder aus, und hält sie die Stufe?
- Ist der Kopf handfest zu, ohne dass Gewalt nötig war?
- Sitzt der Akku fest, wackelt nichts im Gehäuse?
- Ist die Backuplampe eingeklinkt und erreichbar?
- Beschlägt die Scheibe von innen? Dann bleibt die Lampe an Land – das ist Feuchtigkeit, die schon drin ist.
Wenn doch Wasser drin war
Sofort handeln, nicht am Abend. Akku raus, Lampe öffnen, mit klarem Süßwasser ausspülen – ja, ausspülen: Was drin ist, ist meist Salz- oder Seewasser, und Rückstände fressen weiter. Danach vollständig trocknen lassen, offen, bei Raumtemperatur, mehrere Tage.
Den Akku, der im Wasser stand, nicht wieder laden. Eine Lithium-Zelle mit Wasserkontakt ist ein Fall für die Sammelstelle, nicht für das Ladegerät. Das ist der eine Punkt in diesem Text, bei dem Sparsamkeit ein schlechter Ratgeber ist.
Die fünf häufigsten Fehler
- Nasse Lampe geöffnet. Der Tropfen im Gewinde landet im Gehäuse.
- Zu viel Fett. Klebt Sand fest, statt ihn abzuweisen.
- O-Ring mit Metall herausgehebelt. Der Kratzer in der Nut bleibt.
- Voll geladen überwintert. Dauerhafter Kapazitätsverlust.
- Dichtigkeitsprüfung am Einstieg statt zu Hause. Am See ist es zum Prüfen zu spät.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich den O-Ring fetten?
Bei jedem Akkuwechsel ansehen, fetten, wenn er stumpf wirkt. Nach Salzwassereinsätzen öfter. Entscheidend ist nicht das Intervall, sondern dass Ring und Nut sauber sind.
Welches Fett gehört an eine Tauchlampe?
Silikonfett für Tauchausrüstung, im Zweifel das vom Hersteller genannte. Vaseline und mineralölhaltige Fette nicht – sie können den Dichtungswerkstoff aufquellen lassen.
Woran erkenne ich, dass der O-Ring hin ist?
Zwischen den Fingern durchziehen: Risse, flache oder eckige Stellen, kleine Kerben, eine bleibende Verformung. Alles davon heißt tauschen, nicht fetten.
Darf die Tauchlampe mit in die Spülwanne der übrigen Ausrüstung?
Besser nicht. In dieser Wanne sammelt sich Sand, und Sand ist die Hauptursache für undichte Lampen. Eigener Eimer, klares Süßwasser.
Wie lagere ich die Lampe über den Winter?
Trocken, Akku heraus und halb geladen, O-Ring entlastet, Kopf nur lose aufgesetzt. So kommt sie ohne Verformung und ohne Kapazitätsverlust durch die Pause.
Meine Lampe beschlägt von innen. Ist sie undicht?
Sie enthält jedenfalls Feuchtigkeit. Öffnen, trocknen, O-Ring und Nut prüfen und die Lampe vor dem nächsten Einsatz zu Hause im Waschbecken testen. Bis dahin bleibt sie an Land.