Eine Backuplampe soll im Ernstfall reichen, um den Tauchgang geordnet zu beenden. Die OrcaTorch D710 kann mehr als das: Sie hat genug Leistung und genug Brenndauer, um im Notfall die Rolle der Hauptlampe zu übernehmen. Das ist der Grund, warum sie am D-Ring eines Techniktauchers eine sinnvolle Ergänzung neben einer Tanklampe ist – und warum sie das Dreifache einer Budget-Backuplampe kostet.
Vorbemerkung: Ich habe die D710 nicht selbst getaucht. Die technischen Daten unten stammen vom Hersteller und sind von mir nicht nachgemessen. Was ich beitragen kann, ist die Einordnung: was diese Zahlen unter Wasser bedeuten und wo sie sich von denen der Konkurrenz unterscheiden.
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Technische Daten (Herstellerangaben)
| Lichtstrom | bis 3.000 Lumen (Turbo); Stufen 1.700, 800 und 400 Lumen |
| LED | Luminus SST-70 |
| Lichtfarbe | 6.500 K, kaltweiß |
| Abstrahlwinkel | 6 Grad (Spot) |
| Reichweite | bis 262 Meter |
| Brenndauer | 1 h 40 min (hoch), 3 h 40 min (mittel), 7 h 40 min (niedrig) |
| Akku | 21700 mit 5.000 mAh, zwei Stück im Lieferumfang, Ladebuchse im Akku integriert |
| Bedienung | seitlicher Schalter mit Statusanzeige und Tastensperre |
| Dichtigkeit | IPX8, bis 150 Meter |
| Gehäuse | Aluminiumlegierung |
| Lieferumfang | Lampe, 2 Akkus, 2 USB-Ladekabel, Handschlaufe, Ersatz-O-Ringe |
Preis am 28.08.2026: 159,95 Euro.
Warum diese Lampe als Backup eine andere Klasse ist
Der übliche Gedanke beim Backup lautet: klein, billig, hauptsache es geht an. Das ist für einen Freizeittauchgang im Hellen auch richtig. Sobald aber eine Umgebung dazukommt, aus der man nicht einfach nach oben aussteigen kann – Wrack, Höhle, Eis, Nachttauchgang in einem See mit Netzresten –, ändert sich der Maßstab. Dann muss die zweite Lampe den kompletten restlichen Tauchgang tragen, inklusive Aufstieg und Deko.
Genau hier liegt der Unterschied. 7 Stunden 40 Minuten auf der kleinsten Stufe und immer noch 1 Stunde 40 Minuten auf der hellsten heißen: Diese Lampe geht nicht nach zwanzig Minuten aus, wenn man sie wirklich braucht. Und der zweite Akku im Karton bedeutet, dass man den geladenen Ersatz ohnehin dabeihat.
Der zweite Punkt ist die Leistung selbst. Ein Backup mit 400 Lumen im Streulicht bringt einen an die Oberfläche. Ein 6-Grad-Spot mit 3.000 Lumen im Maximum ersetzt eine Hauptlampe – man kann damit weiter arbeiten, statt nur noch abzubrechen.
Der 6-Grad-Strahl: was das praktisch bedeutet
Sechs Grad sind sehr eng. Der Lichtfleck ist auf zwei Metern Entfernung etwa so groß wie ein Teller. Das klingt nach wenig und ist unter Wasser oft genau richtig:
- Weniger Rückstreuung. Ein breiter Kegel beleuchtet die Schwebeteilchen vor der Maske auf ganzer Fläche, und dieses Streulicht kommt zurück. Der Effekt ist derselbe wie Fernlicht im Nebel: mehr Licht, weniger Sicht. Ein enger Strahl beleuchtet weniger Partikel und zeigt deshalb im trüben Wasser mehr, nicht weniger.
- Besseres Zeigewerkzeug. Unter Wasser verständigt man sich mit dem Lichtkegel. Ein enger Fleck ist eindeutig, ein breiter nicht.
- Hineinleuchten statt Ausleuchten. In Spalten, Wrackfenster und unter Überhänge kommt man mit einem Spot, nicht mit einer Flutlampe.
Die Kehrseite ist ebenso klar: Für Video und Foto ist diese Lampe die falsche. Dort braucht man einen breiten, gleichmäßigen Kegel ohne harte Kante. Ein Spot erzeugt einen ausgebrannten hellen Kreis mit dunklem Rand darum. Wer filmen will, ist bei den breit strahlenden Modellen besser aufgehoben.
D710 oder D530?
Die OrcaTorch D530 ist die kleine Schwester nach demselben Prinzip: 1.500 Lumen, 7 Grad, laut Hersteller über drei Stunden Brenndauer, 87 Euro – und ohne Akku im Lieferumfang. Amazon führt sie ausdrücklich als Backup-Tauchlampe.
Die Faustregel: Wer den engen Spot vor allem zum Zeigen und zum Hineinleuchten braucht und die Hauptlampe ohnehin dabei hat, kommt mit der D530 gut aus. Wer eine zweite Lampe will, die im Ernstfall die erste vollwertig ersetzt – Technik-, Wrack-, Höhlentauchen –, bekommt bei der D710 die doppelte Leistung, die deutlich längere Brenndauer und zwei Akkus für den knapp doppelten Preis.
Was die Herstellerangaben nicht sagen
- Auf welche Stufe sich die 262 Meter Reichweite beziehen. Vermutlich auf Turbo; angegeben ist es nicht. Interessant wäre die Reichweite auf der Stufe, die man tatsächlich stundenlang fährt.
- Wie schnell die Turbostufe abregelt. 3.000 Lumen erzeugen Wärme. Im Wasser wird sie abgeführt, an Land nicht – ob und wann die Lampe herunterregelt, steht nirgends.
- Die Dichtigkeitsangabe ist uneinheitlich. Der Produkttitel nennt IP68, die Beschreibung IPX8. Gemeint ist beide Male eine Lampe, die dauerhaft untergetaucht betrieben werden darf; sauber wäre eine Angabe.
- Die 3 h 40 min auf der mittleren Stufe. An anderer Stelle derselben Beschreibung stehen 3 h 50 min. Der Unterschied ist praktisch belanglos, zeigt aber, wie genau solche Zahlen zu nehmen sind.
- Wer eigentlich die Garantie gibt. In der deutschen Beschreibung taucht als Garantiegeber ein fremder Markenname auf – offenkundig ein übernommener Textbaustein. Im Zweifel vor dem Kauf beim Händler nachfragen.
Wie man sie trägt
Als Backup gehört die Lampe dorthin, wo man sie mit einer Hand und ohne Hinsehen findet: an einen D-Ring am Schultergurt, mit einem Doppelender oder einer Halterung gesichert, Kopf nach unten. Das ist die Position, die auch dann noch funktioniert, wenn die Hauptlampe – etwa eine Tanklampe mit Akku am Rücken – ausgefallen ist oder das Kabel beschädigt wurde.
Zwei Backups statt einem sind bei technischen Tauchgängen die Regel, nicht die Ausnahme. Beide unabhängig, beide erreichbar, beide vor dem Tauchgang eingeschaltet und geprüft. Im Baggersee gilt derselbe Grundsatz in kleiner Ausführung: zwei Lampen und der Zwei-Minuten-Check am Einstieg, beschrieben in Tauchlampe für Baggersee und Kaltwasser.
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Häufige Fragen
Ist die D710 als einzige Lampe geeignet?
Als Lichtquelle ja. Als einzige Lampe nein – zu einem Nachttauchgang gehört immer eine zweite, unabhängige Lampe, egal wie gut die erste ist. Das gilt für diese genauso wie für jede andere.
Reichen 3.000 Lumen, wenn andere mit 13.000 werben?
In einem 6-Grad-Strahl sind 3.000 Lumen mehr wert als 13.000 in einem breiten Kegel – jedenfalls überall dort, wo Partikel im Wasser sind. Die Lumenzahl allein sagt fast nichts; erst zusammen mit dem Abstrahlwinkel wird eine Aussage daraus. Mehr dazu in Tauchlampe: Wie viel Lumen brauche ich?
Kommt sie mit ins Flugzeug?
Sie hat Lithium-Akkus, damit gelten die Regeln für Akkus im Handgepäck – und hier sind es gleich zwei. Was dabei zu beachten ist, steht in meinem Beitrag über Tauchlampen im Flugzeug.
Was ist mit der Marke?
Einen Überblick über das Sortiment gibt der Beitrag zu den OrcaTorch Tauchlampen.