Der erste Nachttauchgang überrascht die meisten mit derselben Erkenntnis: Es ist nicht dunkler, es ist enger. Der Kegel wird zum Sichtfeld, alles außerhalb existiert nicht. Wer damit rechnet, hat einen der schönsten Tauchgänge überhaupt vor sich. Wer damit nicht rechnet, kommt gestresst wieder raus.
Was nachts anders ist
Die Orientierung. Merkmale, an denen du dich tagsüber ohne Nachdenken orientierst – die Kante, das Ufer, der helle Flachbereich –, sind weg. Deshalb ist die Regel für den ersten Nachttauchgang, eine Stelle zu wählen, die du bei Tag kennst. Am besten dieselbe am selben Tag noch einmal.
Die Dunkeladaption. Nach etwa zwanzig bis dreißig Minuten im Dunkeln sieht das Auge deutlich mehr. Ein einziger Blick in einen hellen Kegel setzt das zurück. Das ist der Grund, warum Nachttauchen mit weniger Licht besser funktioniert als mit mehr: Wer auf voller Stufe fährt, sieht nur noch das, was der Kegel trifft.
Die Verständigung. Handzeichen funktionieren nur angeleuchtet, und blenden ist nachts noch gravierender als am Tag. Wie Lichtzeichen gegeben werden und welche drei du sicher können musst, steht in Tauchzeichen mit der Lampe.
Zwei Lampen, und zwar unabhängig
Nachts ist der Ausfall der Hauptlampe kein Ärgernis, sondern ein Abbruchgrund – es sei denn, du hast eine zweite dabei. „Unabhängig“ heißt: eigener Akku, eigenes Gehäuse, am Körper erreichbar und mit einer Hand zu bedienen. Eine Backuplampe in der Beintasche ist keine Backuplampe. Passende Modelle stehen in Backup-Tauchlampen, die Befestigung in Goodman-Handle, Boltsnap und Schlaufe.
Dazu kommen zwei Lichter, an die selten jemand denkt:
- Ein Markierungslicht am Einstieg oder an der Boje. Vom Wasser aus sieht ein unbeleuchteter Einstieg nachts aus wie der Rest des Ufers.
- Ein kleines Positionslicht am Automaten oder am Tank, damit der Partner dich auch dann sieht, wenn dein Kegel gerade woanders hinzeigt.
Welche Lampe nachts passt
Im Grunde dieselbe wie im trüben Wasser am Tag, aus demselben Grund: Ein klar begrenzter Kegel schlägt eine hohe Lumenzahl. Nachts kommt hinzu, dass ein breiter Flutlichtkegel das gesamte Schwebstoffvolumen vor dir aufhellt – dieselbe weiße Wand wie im Baggersee, nur ohne Tageslicht, das sie überstrahlt. Warum das so ist, steht ausführlich in Tauchlampe für Baggersee und Kaltwasser.
Praktisch heißt das: Eine Lampe mit mehreren Leuchtstufen ist nachts mehr wert als eine sehr helle mit einer Stufe. Gefahren wird auf der niedrigen, die hohe bleibt für den Moment, in dem man wirklich etwas ausleuchten will.
Rotlicht: was es leistet und was nicht
Was es leistet: Rotes Licht zerstört die Dunkeladaption des Auges kaum. Wer den Finimeter oder den Tauchcomputer ablesen will, ohne danach eine Minute lang blind zu sein, liest ihn mit Rotlicht ab. Und es gilt als das schonendere Licht für nachtaktive Tiere.
Der Gedanke dahinter: Viele Wassertiere sehen im roten Bereich schlechter als im blaugrünen. Wie stark das ausgeprägt ist, unterscheidet sich allerdings von Art zu Art erheblich – Rotlicht ist deshalb die rücksichtsvollere Wahl, aber kein Tarnkappenlicht. Wer nah an ein ruhendes Tier heranwill, gewinnt mit Abstand und einer niedrigen Leuchtstufe mehr als mit der Lichtfarbe.
Was es nicht leistet: Reichweite. Rot ist die Farbe, die im Wasser zuerst verschluckt wird. Genau der Effekt, der Unterwasserfotos blaustichig macht, begrenzt auch das Rotlicht: Es bleibt ein Nahbereichslicht für Instrumente und für den Blick auf einen Quadratmeter Grund. Als Hauptlampe taugt es nicht.
UV und Fluoreszenz: der verbreitetste Irrtum
Fluoreszenztauchen funktioniert so: Ein Licht regt Farbstoffe in Organismen an, die daraufhin selbst in einer anderen Farbe leuchten – meist grün oder orange. Damit man das sieht, gehört ein Gelbfilter vor die Maske und vor das Kameraobjektiv, der das anregende Licht wegfiltert und nur das Leuchten durchlässt. Ohne diesen Filter sieht man vor allem blaues Licht.
Und hier der Punkt, den die Produktnamen verschleiern: Die meisten Lampen, die als „UV-Tauchlampe“ verkauft werden, strahlen gar kein UV-Licht ab, sondern tiefblaues Licht im sichtbaren Bereich. Für Fluoreszenz ist das auch das Richtige – echtes UV ist für die Augen problematisch und im Wasser wenig praktikabel. Wer eine solche Lampe kauft, kauft also in aller Regel eine Blaulichtlampe mit einem missverständlichen Namen.
Zwei Dinge dazu, die unabhängig davon gelten: Nicht in die Lampe sehen und sie nicht auf Augen richten – weder auf eigene noch auf fremde. Und im Süßwasser ist der Effekt deutlich unspektakulärer als am Riff; die auffälligsten Fluoreszenzfarben stammen von Korallen und Rifforganismen.
Der Ablauf, der einen ersten Nachttauchgang entspannt macht
- Stelle bei Tag ansehen, am besten am selben Tag tauchen.
- Briefing an Land, mit Licht: Lichtzeichen, Umkehrzeit, Verhalten bei Lampenausfall, Verhalten bei Trennung.
- Einstieg markieren, bevor jemand ins Wasser geht.
- Lampen an, bevor der Kopf unter Wasser ist – nicht erst unten. Eine Lampe, die sich unten nicht einschalten lässt, ist an der Oberfläche ein Achselzucken und in zehn Metern ein Problem.
- Flacher und kürzer als tagsüber. Der erste Nachttauchgang ist kein Tiefenrekord.
- Nach dem Tauchgang spülen und trocknen wie immer – siehe Tauchlampe pflegen.
Im Binnengewässer kommt eines dazu
In vielen Seen regelt eine Tauchordnung, ob und unter welchen Bedingungen nachts getaucht werden darf – teils mit Anmeldepflicht, teils mit festen Zeiten, teils gar nicht. Das ist keine Formalie: Wer nachts unangemeldet im Wasser liegt, ist im Zweifel nicht versichert und niemand vermisst ihn. Vor dem Nachttauchgang beim Betreiber nachfragen, nicht danach.
Häufige Fragen
Wie viele Lumen brauche ich zum Nachttauchen?
Weniger, als die Verpackungen nahelegen. Entscheidend ist ein klar begrenzter Kegel und eine niedrige Leuchtstufe, mit der die Dunkeladaption erhalten bleibt. Eine sehr helle Lampe ohne Abstufung ist nachts eher hinderlich.
Brauche ich wirklich zwei Lampen?
Ja. Nachts ist der Ausfall der Hauptlampe ohne Ersatz ein Abbruch unter erschwerten Bedingungen. Zwei unabhängige Lichtquellen sind der Standard, nicht die Kür.
Wofür ist Rotlicht beim Tauchen gut?
Zum Ablesen von Instrumenten, ohne die Dunkeladaption zu verlieren, und als das schonendere Licht in der Nähe von Tieren. Reichweite hat es kaum – Rot wird im Wasser als Erstes verschluckt.
Ist eine „UV-Tauchlampe“ wirklich UV?
Meistens nicht. Die üblichen Lampen fürs Fluoreszenztauchen strahlen tiefblaues, sichtbares Licht ab. Für den Effekt ist das genau richtig – man braucht zusätzlich einen Gelbfilter vor Maske und Objektiv.
Lohnt sich Fluoreszenztauchen im See?
Deutlich weniger als am Riff. Die auffälligen Fluoreszenzfarben stammen überwiegend von Korallen und Rifforganismen. Im Süßwasser bleibt es meist bei einzelnen Effekten.
Darf ich in jedem See nachts tauchen?
Nein. Viele Binnengewässer haben eine Tauchordnung, die Nachttauchgänge einschränkt oder von einer Anmeldung abhängig macht. Das ist vor dem Tauchgang zu klären.