Du kommst aus dem Wasser, siehst dir die Aufnahmen an — und siehst ein Schneegestöber. Tausende weiße Punkte vor dem Motiv, das Riff dahinter kaum zu erkennen. Ohne Licht war das Bild dunkel und blaustichig, mit Licht ist es jetzt hell und unbrauchbar.
Das Problem heißt Backscatter, und es liegt nicht an der Kamera. Es liegt daran, wo das Licht sitzt.
Was Backscatter ist
Im Wasser schwebt immer etwas: Algen, Sediment, Plankton, aufgewirbelter Schlick. Jedes dieser Teilchen ist eine winzige Fläche, die Licht reflektiert. Sitzt die Lichtquelle direkt neben dem Objektiv, wirft sie dieses Licht auf geradem Weg zurück in die Linse — und die Kamera bildet die Teilchen als scharfe weiße Punkte ab, weil sie nur Zentimeter vor dem Objektiv liegen.
Im Deutschen heißt das Rückstreuung. Der Begriff, der einem unter Wasser dazu einfällt, ist meistens „Streulicht“ — technisch ist das etwas anderes, aber gemeint ist dasselbe Ärgernis. Der Vergleich, der es am besten trifft: Fernlicht im Nebel. Nicht die Straße wird heller, sondern der Nebel.
Warum ausgerechnet die GoPro betroffen ist
Eine GoPro ist klein, und genau das ist hier der Nachteil. Wer eine Lampe direkt an den Käfig oder auf den Kamerarücken schraubt, hat Lichtquelle und Objektiv wenige Zentimeter voneinander entfernt. Damit steht das Licht fast exakt in der Achse, in der die Kamera schaut — die schlechteste aller Positionen.
Dazu kommt der Weitwinkel. Die GoPro sieht extrem breit, und wer das ausleuchten will, nimmt eine breit strahlende Lampe. Breites Licht heißt: mehr Wasservolumen wird beleuchtet, also mehr Teilchen leuchten. Der Effekt ist nicht linear — doppelt so viel Licht erzeugt deutlich mehr als doppelt so viel Rückstreuung.
Die drei Hebel, die wirklich etwas ändern
1. Abstand zwischen Licht und Objektiv
Das ist der wichtigste. Die Lampen gehören an Ausleger, seitlich und nach vorn versetzt — nicht auf die Kamera. Je weiter Licht und Linse auseinanderstehen, desto schräger trifft das reflektierte Licht die Kamera, und desto weniger davon landet im Bild. Deshalb sehen die Rigs von Unterwasserfilmern aus wie Insekten: Die Arme sind kein Zubehör, sie sind die Lösung.
2. Winkel statt Frontalbeleuchtung
Die Lampen werden nicht parallel nach vorn gerichtet, sondern leicht nach außen gedreht, sodass sich ihre Kegel erst auf Höhe des Motivs überschneiden. Das Wasservolumen unmittelbar vor der Linse — dort, wo die Teilchen scharf abgebildet würden — bleibt dadurch unbeleuchtet. Ein gängiger Anfängerfehler ist, beide Arme nach innen zu richten, damit „das Motiv sicher getroffen wird“. Genau das erzeugt das Schneegestöber.
3. Näher ran
Jeder Meter Wasser zwischen Kamera und Motiv ist Wasser voller Teilchen. Die wirksamste Maßnahme kostet nichts: Abstand verringern. Ein Motiv aus 50 Zentimetern gefilmt ist fast immer besser als dasselbe Motiv aus zwei Metern mit doppelter Lichtleistung. Die Weitwinkeloptik der GoPro lädt geradezu dazu ein, dichter heranzugehen, als sich richtig anfühlt.
Was hilft — und was nur so aussieht
- Heller drehen hilft nicht. Es verstärkt beides gleichzeitig, Motiv und Teilchen — und weil die Teilchen näher liegen, gewinnen sie.
- Dunkler drehen hilft ein wenig, aber es löst das Problem nicht. Die Geometrie bleibt dieselbe.
- Nicht in aufgewirbeltes Sediment filmen. Wer vor dem Motiv über den Grund flossen hat, filmt seine eigene Wolke. Von der Seite anschwimmen, nicht von hinten nachsetzen.
- Ein Rotfilter ersetzt kein Licht. Er holt im Blauwasser Farben zurück, indem er den Blauanteil dämpft — gegen Rückstreuung tut er nichts. Und mit eingeschalteter Lampe gehört er ab.
- Nachträglich entfernen ist Handarbeit. In der Fotografie lassen sich einzelne Punkte wegstempeln. Im Video sind es fünfundzwanzig Bilder je Sekunde — dort korrigiert man nichts, dort dreht man neu.
Im See ist es schlimmer als am Riff
Ein Baggersee führt ungleich mehr Schwebstoffe als klares Tropenwasser. Wer im heimischen Gewässer filmt, kämpft mit demselben Effekt in schärferer Form — und muss dichter ran, breiter aufstellen und mit weniger Licht arbeiten, als es sich anfühlt.
Für die Lampenwahl heißt das: Was fürs Video gut ist, ist beim Tauchen als Hauptlampe schlecht — und umgekehrt. Eine breit strahlende Videolampe ist im trüben See zum Sehen die falsche Wahl, ein enger Spot fürs Video unbrauchbar. Was das für die Lampe am Mann bedeutet, steht in Tauchlampe für Baggersee und Kaltwasser.
Wie mein Rig aussieht
Ich filme mit drei Wurkkos DL30 am GoPro-Rig — zwei auf Auslegern links und rechts, deutlich nach außen versetzt, eine als Reserve. Dass es drei sind, hat mit dem Rig zu tun und nicht mit Verschleiß. Die DL30 hat einen hohen Farbwiedergabeindex, und das sieht man im Video an den Farben deutlicher als an der Helligkeit. Mehr dazu unter Wurkkos DL30.
Für große Flächen — Nachttauchgänge, wenn die ganze Umgebung ins Bild soll — nehme ich die Mares XR als Tanklampe. Die Bauform steht unter Tanklampe. Und wenn es um eine reine Videolampe geht: Der Klassiker mit breitem Kegel ist die Scubapro Nova 720 Wide.
Häufige Fragen
Was bedeutet Backscatter beim Tauchen?
Die Rückstreuung von Lampenlicht an Schwebstoffen im Wasser, die auf der Aufnahme als weiße Punkte erscheint. Der Begriff kommt aus der Unterwasserfotografie; im Deutschen sagt man Rückstreuung.
Warum sehen meine Unterwasseraufnahmen aus wie Schneegestöber?
Weil die Lampe zu nah am Objektiv sitzt und das Wasser direkt vor der Linse ausleuchtet. Lampen weiter nach außen setzen, leicht nach außen drehen und näher ans Motiv gehen.
Hilft eine hellere Lampe gegen Streulicht?
Nein, sie verschlimmert es. Mehr Licht heißt mehr beleuchtete Teilchen, und die liegen näher an der Kamera als das Motiv. Entscheidend ist die Position der Lampe, nicht ihre Leistung.
Wohin gehören die Lampen an der GoPro?
An Ausleger, seitlich versetzt und nach vorn gezogen, mit leichter Drehung nach außen. Nicht auf den Käfig und nicht direkt neben die Linse.
Rotfilter oder Lampe?
Beides zusammen nicht. Der Rotfilter arbeitet mit dem vorhandenen Tageslicht und dämpft Blau; sobald eine Lampe leuchtet, verfälscht er die Farben. Im Flachen mit viel Sonne der Filter, tiefer und im Trüben die Lampe.
Ist das im Süßwasser anders als im Meer?
Nur in der Stärke, nicht im Prinzip. Ein Baggersee hat mehr Schwebstoffe, also mehr Rückstreuung bei gleicher Lampenstellung.